das ehemalige Bahnbetriebswerk in Bochum-Dahlhausen

Dr.-C--Otto-Straße 191

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Die Ruhr, welche am Isenberg eine starke vorspringende Höhe des Ardeygebirges umfließt, die von der Eisenbahn durchschnitten wird, gelangt in ihrem weiteren Laufe nach

Dahlhausen

einem aufblühenden Orte, der aus dem ehemaligen Sattelgute "Daelhuson" hervorgegangen ist. Die erste Erwähnung geschieht 1092, wo selbst der Abt Otto von Werden den Hof zu "Dalehusen" mit seinen Unterhöfen dem Edelherren von Lippe gegen den Hof zu Hinsel eintauscht. Dann hatte aber auch um diese Zeit das Kloster Maria ad gradus in Köln hier Besitzungen, ferner erhob das Stift Essen Abgaben. Ein Rittergeschlecht, dass sich nach diesem Hofe benannte, kommt zuerst 1268 mit Wilhelm von Daelhusen vor, der sich für einen in die Gefangenschaft des Grafen von Berg geratenen Edelmann verbürgt. Im Wappen führt das Geschlecht drei Pferdepramen, die beim Einfangen der wilden Pferde benutzt wurden. Man klemmte Ihnen dies zangenähnliche Gerät in die Oberlippe und zähmte sie allmählich. Aus der Familie von Dahlhausen traten um 1350 mehrere weibliche Mitglieder in das Kloster zu Fröndenberg ein.

Der Edelherr von Lippe hatte den Hof auf Lebenszeit erhalten, und nach seinem Tode fiel er wieder als Lehen der Abtei Werden an diese zurück. Später finden wir als Schultheißen die vom Hofe Krawinkel auf Dahlhausen. 1337 geht letzterer an Heinrich von Hardenberg, der kurze Zeit darauf sich auf dem Hartenstein niederlässt, über. Er muss jedoch an Gertrud von Daelhusen, welche in Essen lebte, jährlich 6 Malter Roggen und drei Malter Gerste liefern. Die von Dahlhausen nannten sich nach einem anderen Hofe nunmehr von Halveren. Im Besitze der Herren von Hardenberg blieb Dahlhausen bis zum Aussterben des Geschlechts und kam dann an deren Erben, die Stael von Holstein, die mit der Heisinger Linie den Hof gemeinsam besaßen. 1574 wird Robert Stael von Holstein auf Steinhausen nach dem Tode seines Vaters mit Dahlhausen belehnt. Bei dieser Gelegenheit setzt der Abt Heinrich von Werden fest, wie viel die Unterhöfe jährlich an Pacht zu entrichten haben "uff St. Elisabethen Dach (19. November) in den Saddahoff Dalhusen by scheinender Sonnen". Von den aufgezählten Namen wohnen heute noch die Nachkommen in der Gegend. Am 18. Februar 1625 erhält Robert III. aus dem Stael vom Holstein'schen Geschlechte den Hof. Die Nachfolger sind 1668 die Herren von Elberfeld, die mit den vorigen verschwägert waren. In deren Besitz ist Dahlhausen geblieben, anfänglich als werdenschiss sehen und nach der Säkularisation der geistlichen Stifter im Jahre 1803 als Eigentum.

Als das 19 Jahrhundert Bergwerke und Industrie nach Dahlhausen brachte, kaufte um 1860 eine Bankfirma den Hof von dem Freiherrn von Elberfeld für 60.000 Taler. Im Laufe der Zeit wurde der noch immer 300 Morgen große Sattelhof" mehr und mehr abgeteilt und Anzeichen und Private verkauft. Heute ist von ihm nichts mehr zu sehen. Er hat wie so manche andere Höfe und Rittergüter der Industrie weichen müssen.

Erwähnt sei noch, dass sich auf dem Hofe Dahlhausen ein alter, heidnischer Opferstein befand, der aber heute durch Flügen des Feldes gegen einen Meter tief in den Boden gesunken ist.

Unsere Wanderung am Ufer der Ruhr entlang hat uns verschiedentlich kleinere Hügel von zerbröckeltem, schwarzen Schiefergestein gezeigt. Es sind die Stellen, an welchen in früherer Zeit ein Kohlenpütt gewesen ist. Der Bergbau an der Ruhr ist schon sehr alt. Die Sage berichtet über die Entdeckung der Steinkohle folgendes: Im Tale der Mutte bei Bommern hütete einst ein Junge die Schweine. Es war ein kühler Herbstnachmittag. Um sich zu wärmen, holte der Knabe dürres Holz aus dem Walde und machte an einem Bergeshang, wo er ein kleines Loch in die Erde grub, ein Feuer. Mit Einbruch der Dunkelheit ließ er die Asche weiter glühen und ging heim. Wie erstaunte er als am folgenden Morgen die Stelle, wo er das Feuer gemacht hatte, in weitem Umfange glühte. Bald hatte er entdeckt, dass es die schwarze Erde war, die brannte. Er machte dies im Dorfe bekannt, und nach und nach wurden die schwarzen Steine, die an vielen Orten des Ruhrtales zu Tage traten, als Brennmaterial benutzt.

Schon früh scheint man die Steinkohlen gekannt zu haben; aber die Anwendung als Brennmaterial wird erst allgemeiner, als das Schmiedehandwerk im Mittelalter seinen Aufschwung nahm. Bei Dortmund wurden 1302 Steinkohlen geschürft, und in der Urkunde über die Stiftung des Hospitals zu Essen wird 1319 ein Raum für die Kohlen erwähnt; aber im Werdenschen reicht ihr Gebrauch nicht über 1520 zurück. Von einem geregelten Bergbau konnte natürlich nicht die Rede sein, jeder grub auf seinem Grund und Boden für seinen oder auch seiner Freunde Bedarf. Beim Verkauf wurde an den Landesherren der zehnte abgegeben. Mittels Körbe holte man die Kohlen aus den Stollen, und als dies beschwerlich wurde, zog man sie mit einer Haspel heraus. Diese Stollen findet man in großer Zahl an der Ruhr und in den Nebentälern. Zum Teil sind sie verschüttet, zum Teil heute wieder in Betrieb. Mit der Erfindung der Wasserhaltungsmaschine durch Franz Dinnendahl Anfang des 19. Jahrhunderts war dann die Möglichkeit eines Schachtbetriebes gegeben, und von dem um diese Zeit allmählich einsetzenden Tiefbau rührt der Aufschwung des Bergbaus her.

Die Ruhr diente aber in dieser Zeit als Absatzweg. In alter Zeit war sie ein schiffbarer Fluss, wie solches bereits 1033 nachweisbar ist. Aber durch Wehre, die den Zweck hatten, das Wasser zum Treiben von Mühlen aufzustehen, war die Ruhrschifffahrt bald eingegangen. Im 18. Jahrhundert wurde verschiedentlich versucht, der Frage einer Schiffbarmachung des Flusses näher zu treten, aber erst 1772 wurde er schiffbar gemacht. So konnte der Kohlentransport beginnen, der dann auch von Jahr zu Jahr sich steigerte. Von 81837 ab überstieg der Verkehr auf der Ruhr sogar den auf dem Rhein und erreichte 1860 die Höhe von 17 354 694 Zentner. Diese Kohlenschiffe, Aaken genannt, wurden stromauf von Pferden gezogen. Die Tiere gingen über den gepflasterten Leinpfad am Ufer. An den Wehren wurden die Schiffe durchgeschleust. Solcher Schleusen gab es im ganzen 16. Nach 1860 ging mit dem Bau der Eisenbahn und mit dem Abwandern des Bergbaus zur Lippe hin die Ruhrschifffahrt allmählich ein.

In dem Kohlengestein aber treiben allerlei Geister und Kobolde ihr Wesen, die in den Stollen den Bergleuten erscheinen und sie auf drohende Gefahren oder auf reiche Flöze, oft auch auf edle Metalle, aufmerksam machen. So lebt in den Gruben der "Bergalte". Er war früher selbst ein Bergmann . Als er den Tode nahe war, bat er Gott, er möge ihm gestatten, solange es an der Ruhr Bergwerke gäbe, in diesen umherzugehen und die Knappen zu schützen. So erscheint er denselben oft als ein Bergmann mit silbernem Grubenlichte und macht sie auf schlagende Wetter und Wassereinbrüche aufmerksam. Das Gestein tut sich vor ihm auf und schließt sich hinter ihm wieder. Einst stieß man bei der Arbeit auf einen Menschenkopf von reinem Silber, der aus den Steinen hervorsah. Jeder wusste, dass es der Bergalte war, welcher der Grube Glück bringen wollte. Und es war wirklich so. Der Stollen brachte reiche Kohlenschätze. Ein übermütiger junger Bursche aber hätte zu gern ein Stück Silber gehabt und schlug mit der Hacke auf den Kopf. Augenblicklich sprang ein gewaltiger Wasserstrahl aus dem Felsen, und die Grube ist seit dieser Zeit "ersoffen". Die fleißigen Grubenmännchen sind gerne bereit, stumpf gewordene Hacken und Äxte zu schärfen, sie pflegen auch die Bergleute durch Klopfen oder Warnrufe auf Gefahren aufmerksam zu machen. Ein solches Männchen stand plötzlich vor einem Hauer, der sich in seiner schweren Arbeit mühte und dabei auch kräftig fluchte. "Der Teufel kann dir nicht helfen, aber ich will für dich die Arbeit tun, wenn du mir jeden Lohntag einen Heller zahlst", so sprach er zu ihm. Nur zu gerne ging dieser darauf ein. Wochenlang arbeitete Graumännlein für den Knappen, der ihm auch pünktlich den Heller brachte. Einst aber ließ er sich in der Wirtschaft verleiten, von dem wunderbaren Männlein zu erzählen, obwohl er diesem versprochen hatte zu schweigen. Als er nun am Morgen zum Stollen kommt, steht dort seine Spitzhacke, auf der geschrieben stand: "Du Schwätzer, schafft allein!" seit dieser Zeit war das Grubenmännchen verschwunden. In einer anderen Zeche treibt der "Stebbelsmann" sein Unwesen. Bei Lebzeiten betrog er die anderen Knappen um den Lohn, den er ihnen fortnahm, dafür muss er nun ruhelos durch die Stollen wandern. In großen Stiefeln sieht man ihn nicht selten schweigend durch die Gänge gehen. Im "Himmelfürster Erbstollen" aber spukt es. Dort erschreckt ein Stollengespenst durch lautes Stöhnen die Bergknappen; doch tut es keinem etwas zuleide. Als aber einmal ein Knappe es verspottete und rief: "Komm doch, Troll, und zeige dich!" da züngelten Flammen aus dem Gestein, und es trat eine grausige Gestalt hervor, dass der Knappe bei ihrem Anblick in Irrsinn verfiel und nach drei Tagen starb.

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27.12.22 © Höckmann

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